Messenien, das "fruchtreiche" Land des Euripides, ist reich mit Wasser gesegnet - ein kostbares Gut in Griechenland, für das in der Antike nicht zuletzt Zeus selbst zuständig war; überall sprudeln Quellen hervor, bewässern Wiesen und Weiden für Rinder und Schafe, lassen Berge und Hügel ergrünen. Ein blütenreicher Frühling, lange, nicht zu heiße Sommer, ein "goldener" Herbst und milde Winter runden das Bild dieser Landschaft ab. Unsere Rundreise beginnt in Kiparissia; vom Hang unterhalb der Burg liegen die Häuser hingestreut bis ans Meer, bis an den weiten Strand an den blauen Fluten des Ionischen Meeres, in dem abends die Sonne glutrot versinkt-ein grandioses Schauspiel, besonders von der Burg aus. Rings um den Burgfelsen Olivenhaine und Weinberge so weit das Auge reicht, und ein-Licht, das Fernliegendes greifbar nahe rückt - Antike, Byzanz, fränkisches Mittelalter. Bei Peristera, kurz hinter dem Dorf Rahes (5 km von Kiparissia) sind drei Kuppelgräber entdeckt worden, und je weiter nach Süden man kommt, desto mehr häufen sich Spuren einer dichten Besiedlung in mykenischer Zeit. Wenige Kilometer hinter Filiatra liegt an einem dichtbewachsenen Hang Gargaliani; die Aussicht von der Stadt aus lohnt eine Unterbrechung der Fahrt: wie ein riesiger grüner Teppich erstrecken sich silbrig schimmernde Olivenhaine und Rebenfelder bis ans Meer, bis Marathoupoli mit der vorgelagerten kleinen Insel Protl, auf der Reste einer mykenischen Akropolis gefunden wurden. Überall Ölbäume und Weinberge, ein einziges Meer aus grünem Laub in allen Schattierungen, ohne Zäune und Mauern. Auf einem flachen Hügel dann die roten Ziegeldächer von Hora, in dessen engen Gassen das Mittelalter weiterlebt; in seinem Museum ist all das zu sehen, was die Archäologen in Peristera und im Palast des Nestor, unserem nächsten Ziel zutage gefördert haben. 4 km südlich von hier, bei Englianos, liegt die mykenische Akropolis mit dem Palast des "weisen Königs" Nestor, Kampfgenosse des Odysseus in Troja und Herrscher im "sandigen Pylos", dem bedeutendsten Zentrum der mykenischen Welt. Im 13. Jh. v. Chr. erbaut, wurde die Akropolis im 12. Jh. v. Chr. durch Feuer völlig zerstört und danach nie wieder aufgebaut. Die halbe Fläche des Plateaus, das nicht befestigt war, nahm der prächtig ausgestattete zweigeschossige Königspalast ein und daran angrenzenden Magazine und Werkstätten. Alle Räume des Palastes, nicht nur der große Thronsaal mit dem tönernen Opferherd in der Mitte und die Gemächer der Königin, waren mit Wandmalereien geschmückt, die sich durchaus mit denen im Palast von Knossos vergleichen lassen. Zahlreiche interessante Funde geben Aufschluß darüber, wie die Menschen jener Zeit gelebt haben - die 1250 Tontäfelchen in der erst 1952 entzifferten Linear-B-Schrift, auf denen die Beamten des Königs ihre Berechnungen verzeichneten, oder auch die bemalte Tonbadewanne mit den Salbgefäßen, genau so wie Homer sie beschrieben hat, und nicht zuletzt auch die Fresken. Im Umfeld der Akropolis wurden außerdem viele Kuppelgräber freigelegt. Hinter Hora begleitet uns wieder der Ölbaum, dieser gesegnete, der Athene heilige Baum, bis Pilos, das sich im Halbrund in die Bucht von Navarino schmiegt; weiße zweistöckige Häuser mit blumengeschmückten Innenhöfen, Bogengängen und Arkaden - man könnte meinen, auf einer Insel zu sein. Mächtige, weit ausladende Platanen beschatten die Straßencafäs auf der Platia der Stadt, die im Westen von der Burg überragt wird, einer der schönsten auf der Peloponnes; sie heißt "Neokastro", um sie von der antiken im NW, der Festung "Paliokastro" oder "Palionavarino" zu unterscheiden. Unterhalb der Burg dehnen sich die weiten Sandstrände der stillen Bucht von Voidokilia. Methoni an der äußersten Südspitze der Westküste war unter dem Namen Pedasos schon im Altertum ein wichtiger Hafen; bei Homer hat er den Beinamen "rebenreich" und eine Überlieferung will, daß die Stadt in Methoni umbenannt wurde, weil die Esel (oni) beim Transport der Trauben schon vom Geruch trunken (methoun) wurden. Zeugen der venezianischen Herrschaft sind die imposanten Brunnen, in deren marmornen Rand sich im Laufe der Jahrhunderte die Schleifspuren der Zugseile eingegraben haben, und vor allem die gewaltigen Festungsanlagen; eine riesige Bogenbrücke überquert den Graben und führt ins Innere der Burg mit ihren endlos langen wuchtigen Mauern, den massiven Türmen und monumentalen Toren. Eine andere Brücke verbindet die Burg mit dem Wehrturm Burzi auf einer kleinen vorgelagerten Insel. Aber Messenien ist hier noch nicht zu ende. Vor uns liegt Finikoundas, ein malerisches Fischerdorf mit langem Sandstrand, an dem die Fischkutter und Ruderboote festgemacht haben; die Tavernen haben Tische und Stühle dicht am Meer aufgestellt, von dem ein frischer Windhauch herüberweht. Die Straße windet sich nun wie eine riesige Schlange gemächlich durch die grüne Ebene und endet in Koroni, dessen Festung sich mit ihren mächtigen Mauern und hohen Toren wie ein Schiffsbug in den Messenischen Golf schiebt. Die Stadt unterhalb der Burg bewahrt mit ihren alten Patrizierhäusern, den engen Gassen und Kirchen noch viel vom Aussehen einer mittelalterlichen Siedlung. Draußen im Meer, das durchsichtig klar den Sandstrand umspült, die Insel Venetiko mit traumhaft schöner Küste. In einem Palmenwäldchen zu Füßen der Burg ist einem kleinen Gebäude ein Museum für Geschichte und Archäologie eingerichtet worden. Ein paar Kilometer weiter dann Petalidi; eine windgeschütze Bucht mit Sand- und Kieselstränden, die sanft ins Meer abfallen, Gärten mit exotischen Bananenstauden - wo soll man anfangen und wo aufhören bei der Schilderung dieses Landes, das so reich ist an landschaftlicher Schönheit. |
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