Die Argolis - wer denkt bei diesem Namen nicht an die düsteren Sagen, die sich um die Burg von Mykene ranken, an strahlende Helden wie Herakles und Perseus aber auch an Geschichten von Frevel und Blutrache, wie Homer, Äschylos und Sophokles sie uns erzählen. Und die "rossenährende", "breitschollige" Argolis Homers ist in der Tat eine 'heroische' Landschaft, in der es nicht schwerfällt, sich die dramatischen Ereignisse am Hof der Atriden vorzustellen. Wie ein riesiger goldgrüner Teppich liegt die fruchtbare Ebene von Argos ausgebreitet zwischen den kahlen Felsmauern der Gebirge, die sie im Norden und Westen begrenzen. Einsame Bergkegel auf denen die Lehensleute der Könige von Mykene ihre Burgen errichtet hatten, ragen aus der Ebene, die sich nach Osten hin zu einer Halbinsel erweitert. Die sonnendurchglühten Sandbuchten am Saronischen und Argolischen Golf lassen vergessen, was sich einst hinter den Mauern des Palastes von Mykene abspielte... Geschichte Im 2. Jahrtausend v. Chr. war die Argolis Mittelpunkt der bedeutendsten vorgeschichtlichen Kultur Griechenlands, die sich um 1600-1100 v. Chr. um die Burg von Mykene entwickelt hatte und deren Namen trug. Den Mykenern folgten die Dorier, die das Zentrum der Macht nach Argos verlegten und die Geschicke des Landes bis zur Römerzeit lenkten. Danach teilte die Argolis das Schicksal der übrigen Peloponnes - Byzantiner, Franken und Venezianer wechselten sich in der Herrschaft ab, bevor das Land 1460 für Jahrhunderte an das Osmanische Reich fiel. Mit Ausnahme von Nauplia, das die Venezianer bis 1540 halten und von 1686 bis 1715 erfolgreich gegen die Türken verteidigen konnten. 1822 wurde die Stadt Sitz der vorläufigen Regierung der griechischen Freiheitskämpfer und 1828 die erste Hauptstadt des neuen griechischen Staates - von Athen, dem die Wittelsbacher schließlich als Verkörperung des antiken Griechenland den Vorzug gaben. Argivisches Land Wenn wir vom arkadischen Astros im Süden die Küstenstraße hochfahren, stoßen wir bei Mili zum erstenmal auf Herakles' Spuren: 10 km vom Dorf liegt Lerna, eine mykenische Siedlung, von der noch Fundamente zu sehen sind - hier hat Herakles die gefürchtete Hüterin des Totenreichs, die neunköpfige Lernäische Schlange getötet. Die Hauptstraße führt dann durch Ebenen mit Weinbergen und Olivenhainen am Meer entlang nach Nea Klos in der Bucht von Nauplia, mit schönem, flach ins Meer abfallenden Sandstrand. Am letzten Karnevalssonntag bewirtet die kleine Stadt Bürger wie Gäste bei einem Volksfest mit Wein vom Faß und Braten vom Spieß. Von hier sind es nur ein paar Kilometer bis Nauplia (Nafplio), Hauptstadt der Präfektur und eine der reizvollsten Landstädte Griechenlands. Besonders die Altstadt hat noch viel vom liebenswerten Charme der guten, alten Zeit - klassizistische Gebäude mit verschnörkelten, blumenüberladenen Balkonen, Springbrunnen aus der Türkenzeit, verschlungene Gäßchen, der Verfassungsplatz mit den verfallenen Moscheen und den Straßencafäs sind eine Szenerie, in der man ins Träumen gerät. An den gut erhaltenen historischen Bauten der Stadt lassen sich die Anfänge des neugegründeten griechischen Staates ablesen; da ist das Haus des Rechtsgelehrten Georg Maurer, der dem bayrischen König Otto gefolgt war, die Kadettenschule in der das Kriegsmuseum untergebracht ist, das Kriegsministerium und die erste Schule, das Gebäude, in dem das erste Parlament zusammentrat und die Agios-Spiridon-Kirche, auf deren Stufen der erste gewählte Regent Griechenlands, Graf Kapodistrias ermordet worden ist. Zeugen einer weiter zurückliegenden Vergangenheit sind die Festungsanlagen von Nauplia, die vor allem von den Venezianern ausgebaut und vervollkommnet wurden. Es ist zwar etwas mühsam, unter den gemauerten Torbögen hindurch die 857 in den Fels gehauenen Stufen zur Festung Palamidi hinaufzusteigen, aber dafür wird man durch einen herrlichen Blick über den Golf bis zum Parnon-Massiv belohnt. Etwas weiter unten der befestigte Felsvorprung Akronauplia und in der Bucht die kleine Festungsinsel Burtzi. Vieles in dieser Stadt hat etwas von der heiteren, entspannten Lebensfreude minoischer Fresken - der Verfassungsplatz, stimmungsvoll zu jeder Tages - und Nachtzeit, die kleinen Tavernen an der Uferpromenade, die romantischen Freilichtkinos, die Musik, die aus den Lokalen in die Nacht hinausklingt... In einem stattlichen Gebäude am Verfassungsplatz ist das Archäologische Museum untergebracht, in dem die großartigen Funde aus Mykene, Tiryns und Asine ausgestellt sind. Sehenswert auch die Ausstellung im Volkskunde-Museum an der Vassileos-AlexandrouStraße. Am Meer Wenige Kilometer hinter Nauplia liegt an einer malerischen Bucht Tolo, Seebad und beliebter Treffpunkt auch der Nauplioten; in lauen Sommernächten sind die Tische in den Strandtavernen dicht besetzt, man schaut aufs Meer hinaus und lauscht dem Tuckern der Kaikis, die zur kleinen Insel Romvi hinüberfahren. Wer Zeit hat sollte nach Assini, dem antiken Asine am Rand der Bucht von Tolo fahren und sich die prähistorische Akropolis auf dem schroffen Bergrücken über dem Meer ansehen; der griechische Nobelpreisträger Giorgos Seferis hat eines seiner schönsten Gedichte über den "König von Asine" geschrieben, inspiriert von der unberührten Landschaft und von seinem Vorfahren Homer, der Asine im Katalog der Städte aufführt, die Schiffe gegen Troja sandten. Der Küstenstraße folgend kommen wir durch dichtbelaubte Orangen - und Zitronenhaine zuerst nach Drepano (10 km von Nauplia) und gleich darauf nach Vivari; die tiefeingeschnittene Bucht, glatt wie ein See, mit den Ruinen der venezianischen Festung darüber, ist ein Bild von eindringlicher Schönheit. Weiter geht es vorbei an Kandia und Salandi, touristisch erschloßen wie alle Dörfer hier, nach Kilada, einem verträumten Fischerdorf in einer tiefen Bucht. Kurz vor dem Dorf befindet sich die große Franghti-Höhle, in der man Spuren menschlichen Lebens aus der Mittelsteinzeit entdeckt hat. Etwas weiter liegt landeinwärts der Marktflecken Kranidi, dessen Häuser sich den St. Anna-Hügel mit seinen byzantinischen Klöstern hinaufziehen. Die Straße führt nun wieder ans Meer, nach Portoheli, einem der beliebtesten Sommerfrischen der Argolis. Jeden Sommer kommen sie von überall her, wie magisch angezogen von der Schönheit dieser Landschaft, den Täler und Hügeln, Häfen und Sandbuchten, den durchsichtig klaren Wassern, in denen sich die Träume der Menschem widerspiegeln, zu Zeiten Homers ebenso wie heute... Kosta, Ermioni, Thermissia, Plepi, Metohi, Galatas - Dörfer der Argolis, von denen man abends die Lichter von Hydra und den anderen Inseln herüberblinken sieht. |
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